Kunst trifft Denkmal: Drei Künstler auf Kurzresidenz am Ganslberg
Dierk Berthel, Tom Kristen und Matthias Braun entwickeln vor Ort neue Arbeiten im Dialog mit Fritz Koenig – erste Einblicke gibt es am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September 2026.

Kurz vor dem Tag des offenen Denkmals zieht neues künstlerisches Leben auf den Ganslberg ein: Der Bildhauer Dierk Berthel, der Maler und Grafiker Tom Kristen sowie der Architekt und Objektkünstler Matthias Braun beziehen für eine Kurzresidenz das ehemalige Wohn- und Arbeitsanwesen des Bildhauers Fritz Koenig in Altdorf bei Landshut. In einem offenen, prozesshaften Arbeitsformat entstehen vor Ort neue Werke im direkten Dialog mit dem Ort und dem Werk Fritz Koenigs. Am 13. September (Sonntag) zeigen sie der Öffentlichkeit erste Ergebnisse ihrer Residenz.
“Die Kernidee der Kooperation der Fritz und Maria Koenig Stiftung ist die niederschwellige Nutzbarkeit des Künstlerhauses Ganslberg für die bayerische Kunstszene und die überregionale Vernetzung. In diesem Fall ist ein Arbeitsaufenthalt von drei Tagen ausreichend, um drei Kollegen unterschiedlicher Herkunft mit Fritz Koenig zusammenzubringen. Eine Gemeinsamkeit ist die Beschäftigung mit dem Thema Kunst und Architektur”, so Christian Schnurer, Leiter des Künstlerhaus Ganslberg
Die Künstler und ihre Projekte am Ganslberg
Alle drei Künstler sind Mitglieder des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und bringen langjährige Erfahrung in der Kunst im öffentlichen Raum mit. Für den Ganslberg lassen sie sich bewusst auf Offenheit ein: Was während der Residenztage entsteht, ist zu Beginn nicht festgelegt, sondern wird – im Dialog mit dem Anwesen und dem Werk Fritz Koenigs – vor Ort entwickelt.
Dierk Berthel — Bildhauer
Am Ganslberg will Berthel vor allem zeichnerisch arbeiten und seine „Skelettbauten“ weiterentwickeln – reduzierte, aus hölzernem Skelettbau entwickelte Konstruktionen, die architektonische Elemente aufgreifen. „Jeder von uns wird vor Ort, vermutlich auch in Bezug zum Ganslberg und Fritz Koenig, neue Arbeiten entwickeln. Was das genau sein wird, ist noch offen und entsteht in einem work in progress“, so Berthel. Geplant ist möglicherweise auch eine Gemeinschaftsarbeit der drei Künstler.
Dierk Berthel absolvierte eine Ausbildung zum Steinbildhauer und war Meisterschüler, bevor er sich 1986 als Bildhauer selbstständig machte. Seinen Schaffensschwerpunkt legte er auf Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau, wofür er mehrere erste Preise bei Kunstwettbewerben erhielt; daneben berät er Bauämter und Bauherrebei der Projektierung von Kunst am Bau. In seinen Skulpturen aus Metall, Stein und Holz löst sich der einstmals massive Duktus zunehmend auf – jüngst manifestiert im Aufgreifen architektonischer Elemente wie dem hölzernen Skelettbau.
Berthel ist seit 2015 Vorsitzender des BBK Bayern und seit 2021 Mitglied des BBK-Bundesvorstands; 2026 wurde er als Delegierter des BBK in die Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) berufen. Er unterrichtet an der Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim i.d.Rhön und war Dozent für Steinskulptur an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Dresden.
http://www.dierk-berthel.de
Tom Kristen — Maler, Zeichner und Druckgrafiker
Tom Kristen zeigt vor allem kleinformatige Collagen und Tuschearbeiten auf Papier, die sich am Boden auslegen oder mit Nadeln aufpinnen lassen. Ausgangspunkt sind häufig unscheinbare Fundstücke und Fragmente – gerissene oder geschnittene Papiere und zeichnerische Spuren –, die zu neuen, teils piktogrammartigen Bildzusammenhängen verdichtet werden. Seine Bilder bezeichnet Kristen als „Landkarten der Empfindung“: Aufzeichnungen darüber, wie wir die Welt wahrnehmen und wie sie auf uns zurückwirkt. „Es wurde bereits alles gemalt, nur noch nicht von mir“, beschreibt er seine Haltung – eine Suche nach persönlicher Aneignung, statt formaler Innovation um ihrer selbst willen.
Tom Kristen, 1968 in Straubing geboren, lebt im Landkreis Landsberg am Lech und arbeitet als Maler, Zeichner und Druckgrafiker sowie als künstlerischer Gestalter sakraler und öffentlicher Räume. Nach einer Handwerkerlehre und einem Architekturstudium leitete er über viele Jahre die Steindruckwerkstatt im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz. In seinem Werk verbinden sich Symbole, Mythen und literarische Vorlagen mit persönlichen Erinnerungen zu einer bewusst ergebnisoffenen, prozesshaften Bildsprache, die keine endgültige Deutung, sondern Raum für das Unerklärbare sucht.
http://www.tom-kristen.de
Matthias Braun — Architekt und Objektkünstler

Matthias Brauns Arbeitsschwerpunkt liegt üblicherweise auf Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum; daneben entstehen auch ganz kleine Kunstobjekte. Für seine Residenz am Ganslberg schlägt er nun einen ungewöhnlichen Weg ein: Er reist nur mit Laptop, Tablet und einem DIN-A3-Drucker an, um ein KI-Kunstprojekt zu realisieren. „Der genaue Projektinhalt wird sich vor Ort spontan ergeben und [den Ganslberg] bzw. Fritz Koenig und seine Arbeiten thematisieren“, so Braun.
Matthias Braun, geboren 1974 in Würzburg, studierte zunächst Philosophie und anschließend Architektur; seit 2006 betreibt er ein eigenes Büro für Architektur, Design, Kunst und Visualisierung. Als gefragter Spezialist für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum gewann er zahlreiche erste Preise bei Wettbewerben und realisierte unter anderem das Mahnmal „Die Schattenseite des Regenbogens“ für die Opfer des § 175 StGB in Darmstadt, den „DenkOrt Deportationen 1941–1944“ am Hauptbahnhof Würzburg sowie das Mahnmal „Archiv“ am Jüdischen Friedhof in Kirchhain; zuletzt gewann er 2025 den Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Alice Salomon Hochschule Berlin. Braun ist seit 2021 Preisrichter bei Wettbewerben für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum.
Tag des offenen Denkmals am Ganslberg
Am Sonntag, den 13. September 2026, öffnet das Künstlerhaus Ganslberg von 10 bis 16 Uhr im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals – in diesem Jahr unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ – seine Tore für die Öffentlichkeit. Neben der Ausstellung von Dierk Berthel, Tom Kristen und Matthias Brau ist noch „nah bei“ – Drei Positionen zeitgenössischer Malerei, die laufende Ausstellung von Sabine Berr, Helmut Geier und Heribert Heindl, die sich künstlerisch mit dem Erbe Fritz Koenigs auseinandersetzt, zu sehen.
Abgerundet wird das Programm durch geführte Besichtigungen des Anwesens von Fritz Koenig mit Einblicken in Kugelhalle, Vierseithof, Atelier und Afrikahalle.
Der Eintritt ist frei. Bereits beim Debüt des Formats 2025 hatte sich der Ganslberg am Tag des offenen Denkmals rund 300 Besucherinnen und Besuchern erstmals als künftiges Künstlerhaus Niederbayerns vorgestellt.