Kunst trifft Denkmal: Drei Künstler auf Kurzresidenz am Ganslberg

Der Tag des offenen Denkmals gehört zu den größten Kulturveranstaltungen Deutschlands und wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz – in diesem Jahr unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ – ausgerichtet. Den Besuchern werden am Sonntag, 13. September 2026, geführte Besichtigungen des Anwesens von Fritz Koenig mit Einblicken in die Kugelhalle, den Vierseithof, das Atelier und die Afrikahalle angeboten.

Zu sehen ist die noch laufende Ausstellung „nah bei” – Drei Positionen zeitgenössischer Malerei von Sabine Berr, Helmut Geier und Heribert Heindl, die sich künstlerisch mit dem Erbe Fritz Koenigs beschäftigt.

Ergänzend zeigen die Künstler Dierk Berthel, Tom Kristen und Matthias Braun im Rahmen ihrer Arbeitsresidenz im September erste Ergebnisse ihrer Zeit auf dem Ganslberg in einer Work-in-Progress-Ausstellung – neue, teils gemeinsame Arbeiten, entstehend und im Werden. Dierk Berthel, Tom Kristen und Matthias Braun entwickeln vor Ort neue Arbeiten im Dialog mit Fritz Koenig.

Drei Künstler auf Kurzresidenz

Kurz vor dem Tag des offenen Denkmals zieht neues künstlerisches Leben auf den Ganslberg ein: Der Bildhauer Dierk Berthel, der Maler und Grafiker Tom Kristen sowie der Architekt und Objektkünstler Matthias Braun beziehen für eine Kurzresidenz das ehemalige Wohn- und Arbeitsanwesen des Bildhauers Fritz Koenig in Altdorf bei Landshut. In einem offenen, prozesshaften Arbeitsformat entstehen vor Ort neue Werke im direkten Dialog mit dem Ort und dem Werk Fritz Koenigs. Am 13. September (Sonntag) zeigen sie der Öffentlichkeit erste Ergebnisse ihrer Residenz.

“Die Kernidee der Kooperation der Fritz und Maria Koenig Stiftung ist die niederschwellige Nutzbarkeit des Künstlerhauses Ganslberg für die bayerische Kunstszene und die überregionale Vernetzung. In diesem Fall ist ein Arbeitsaufenthalt von drei Tagen ausreichend, um drei Kollegen unterschiedlicher Herkunft mit Fritz Koenig zusammenzubringen. Eine Gemeinsamkeit ist die Beschäftigung mit dem Thema Kunst und Architektur”, so Christian Schnurer, Leiter des Künstlerhaus Ganslberg.

Die Künstler und ihre Projekte am Ganslberg

Alle drei Künstler sind Mitglieder des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und bringen langjährige Erfahrung in der Kunst im öffentlichen Raum mit. Für den Ganslberg lassen sie sich bewusst auf Offenheit ein: Was während der Residenztage entsteht, ist zu Beginn nicht festgelegt, sondern wird – im Dialog mit dem Anwesen und dem Werk Fritz Koenigs – vor Ort entwickelt.

„Ein Denkmal, an dem nichts Lebendiges stattfindet, wird irgendwann sterben", beschreibt Dierk Berthel seine Eindrücke. „Deswegen ist es toll, dass dieser Ganslberg wieder aktiviert wird – und so ein Tag wie der Tag des offenen Denkmals ist eine gute Möglichkeit zu sehen, was passieren kann, wenn zeitgenössische Künstler sich so einen Ort wieder einverleiben und ein Denkmal wieder lebendig wird." Auch Tom Kristen beschreibt die besondere Wirkung des Ortes: „Fritz Koenig hat von diesem Ort gesagt: Hier dient alles allem. Und das spürt man auch."

         
Dierk Berthel   Tom Kristen   Matthias Braun Video
         

Die Arbeiten von Berthel, Braun und Kristen sowie die Installation von Lola Sprenger können auch beim Tag des offenen Ateliers am Sonntag, 11. Oktober, am Ganslberg besichtigt werden.

Dierk Berthel — Bildhauer

Dierk Berthel freiAm Ganslberg will Berthel vor allem zeichnerisch arbeiten und seine „Skelettbauten“ weiterentwickeln – reduzierte, aus hölzernem Skelettbau entwickelte Konstruktionen, die architektonische Elemente aufgreifen. „Jeder von uns wird vor Ort, vermutlich auch in Bezug zum Ganslberg und Fritz Koenig, neue Arbeiten entwickeln. Was das genau sein wird, ist noch offen und entsteht in einem work in progress“, so Berthel. Geplant ist möglicherweise auch eine Gemeinschaftsarbeit der drei Künstler.

Dierk Berthel absolvierte eine Ausbildung zum Steinbildhauer und war Meisterschüler, bevor er sich 1986 als Bildhauer selbstständig machte. Seinen Schaffensschwerpunkt legte er auf Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau, wofür er mehrere erste Preise bei Kunstwettbewerben erhielt; daneben berät er Bauämter und Bauherrebei der Projektierung von Kunst am Bau. In seinen Skulpturen aus Metall, Stein und Holz löst sich der einstmals massive Duktus zunehmend auf – jüngst manifestiert im Aufgreifen architektonischer Elemente wie dem hölzernen Skelettbau.

Berthel ist seit 2015 Vorsitzender des BBK Bayern und seit 2021 Mitglied des BBK-Bundesvorstands; 2026 wurde er als Delegierter des BBK in die Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) berufen. Er unterrichtet an der Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim i.d.Rhön und war Dozent für Steinskulptur an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Dresden.

http://www.dierk-berthel.de

Tom Kristen — Maler, Zeichner und Druckgrafiker

Tom Kristen freiTom Kristen zeigt vor allem kleinformatige Collagen und Tuschearbeiten auf Papier, die sich am Boden auslegen oder mit Nadeln aufpinnen lassen. Ausgangspunkt sind häufig unscheinbare Fundstücke und Fragmente – gerissene oder geschnittene Papiere und zeichnerische Spuren –, die zu neuen, teils piktogrammartigen Bildzusammenhängen verdichtet werden. Seine Bilder bezeichnet Kristen als „Landkarten der Empfindung“: Aufzeichnungen darüber, wie wir die Welt wahrnehmen und wie sie auf uns zurückwirkt. „Es wurde bereits alles gemalt, nur noch nicht von mir“, beschreibt er seine Haltung – eine Suche nach persönlicher Aneignung, statt formaler Innovation um ihrer selbst willen.

Tom Kristen, 1968 in Straubing geboren, lebt im Landkreis Landsberg am Lech und arbeitet als Maler, Zeichner und Druckgrafiker sowie als künstlerischer Gestalter sakraler und öffentlicher Räume. Nach einer Handwerkerlehre und einem Architekturstudium leitete er über viele Jahre die Steindruckwerkstatt im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz. In seinem Werk verbinden sich Symbole, Mythen und literarische Vorlagen mit persönlichen Erinnerungen zu einer bewusst ergebnisoffenen, prozesshaften Bildsprache, die keine endgültige Deutung, sondern Raum für das Unerklärbare sucht.

http://www.tom-kristen.de

Matthias Braun — Architekt und Objektkünstler

Matthias Braun frei

Matthias Brauns Arbeitsschwerpunkt liegt üblicherweise auf Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum; daneben entstehen auch ganz kleine Kunstobjekte. Für seine Residenz am Ganslberg schlägt er nun einen ungewöhnlichen Weg ein: Er reist nur mit Laptop, Tablet und einem DIN-A3-Drucker an, um ein KI-Kunstprojekt zu realisieren. „Der genaue Projektinhalt wird sich vor Ort spontan ergeben und [den Ganslberg] bzw. Fritz Koenig und seine Arbeiten thematisieren“, so Braun.

Matthias Braun, geboren 1974 in Würzburg, studierte zunächst Philosophie und anschließend Architektur; seit 2006 betreibt er ein eigenes Büro für Architektur, Design, Kunst und Visualisierung. Als gefragter Spezialist für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum gewann er zahlreiche erste Preise bei Wettbewerben und realisierte unter anderem das Mahnmal „Die Schattenseite des Regenbogens“ für die Opfer des § 175 StGB in Darmstadt, den „DenkOrt Deportationen 1941–1944“ am Hauptbahnhof Würzburg sowie das Mahnmal „Archiv“ am Jüdischen Friedhof in Kirchhain; zuletzt gewann er 2025 den Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Alice Salomon Hochschule Berlin. Braun ist seit 2021 Preisrichter bei Wettbewerben für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum.

https://matthias-braun.com

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